Eine Lanze für "Old Surehand"

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J.L Niebergall
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Eine Lanze für "Old Surehand"

#1 Beitrag von J.L Niebergall » 30. Nov 2019, 16:46

Grangers Darstellung des Old Surehand ist ja bei vielen umstritten, obwohl ich
seine ironisch und teilweise wirklich gekonnte Darstellung immer wohltuend anderes als die des
bewunderten Lex Barkers empfand.Und daher auch nie störend.

Da ich immer wieder mal Karl May Filme mit verschiedenen Kindern in meinem Kino schaue, kann
ich nur wiederholt feststellen, dass er bei den heutigen Kids extrem gut ankommt und geradezu geliebt wird.
Für die Kids im Alter von 6-12 Jahren ist er geradezu die zentrale Figur der Serie.
"Wie er immer so extrem gechilled ist" oder "der ist so end cool" oder auch "wie er sich feiert" sind nur einige
aufgeschnappte Ausrufe der Begeisterung.
So war Granger vermutlich der Zeit der Heldendarstellung 1965 weit voraus.

Das er es schafft der Generation "Playstation,Netflix und Marvel" einen spontanen Ausruf des Respektes und der Coolness abzufordern,
soll 2019 schon etwas bedeuten.

Im Gegensatz dazu wirkt der durch die fürchterliche Regie Harald Philipps zum "Grinsestatist" verkommene Winnetou 2019 im "Ölprinz" völlig deplaziert.

OmasEnkel
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Re: Eine Lanze für "Old Surehand"

#2 Beitrag von OmasEnkel » 1. Dez 2019, 08:41

Das sehe ich ganz genauso. Stewart Granger war in seiner Darstellung der Zeit voraus. Die lockere Art passt unglaublich gut zu den Filmen.
Gerade heutzutage hat man eine augenzwinkernde Beziehung zu diesen Western Märchen und das hat Stewart Granger schon 1964 für sich erkannt.

allwanderer
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Re: Eine Lanze für "Old Surehand"

#3 Beitrag von allwanderer » 1. Dez 2019, 13:08

Ich habe auch nie verstanden, weshalb Stewart Granger bei den KM-Film-Fans eher negativ bewertet wurde / wird. Er soll privat zwar kein "einfacher" Mensch gewesen sein, aber jeder hat doch Macken, Ecknen und Kanten, die bei anderen nicht gut ankommen. Grangers lockere Art war für mich immer eine nette Abwechslung zu der betont heldischen Art eines Lex Barker. Beide fand ich in ihrer KM-Rolle gut und bis heute habe ich meine Meinung nicht geändert.

J.L Niebergall
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Re: Eine Lanze für "Old Surehand"

#4 Beitrag von J.L Niebergall » 1. Dez 2019, 18:08

@allwanderer

"Grangers lockere Art war für mich immer eine nette Abwechslung zu der betont heldischen Art eines Lex Barker."

Genau das ist es für mich auch. Die gegensätzliche Art der Heldendarstellung. Man stelle sich vor Surehand wäre mit dem selben Edelmut und Pathos aufgetreten wie Brice und Barker. Das wäre doch extrem langweilig gewesen.
Leider sind halt die Drehbücher und die Gesamtleitung der Filme immer schlechter geworden.
Die Figuren "Surehand" und "Firehand" hätte durchaus mehr Potential gehabt. Selbst der Winnetou-Mythos hat ja nach 1965 sehr schnell aufgrund der schlampigen und nachlässigen Arbeitsweise von Drehbuchautoren, Produzenten und Regisseuren sehr schnell sehr nachgelassen. Deshalb überfällt mich beim schauen der Filme nach 1964 (Ausnahme Winnetou 3. Teil) auch immer eine gewisse Art von Unmut auf Herrn Wendlandt, der die"Kuh einfach schlachten wollte" und nie wirklich an der Qualität der Filme interessiert war.

Old_Surehand_1965
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Re: Eine Lanze für "Old Surehand"

#5 Beitrag von Old_Surehand_1965 » 2. Dez 2019, 15:56

Als ich den Thread im Forum sah, dachte ich zunächst: „Da ist aber einer mutig....“

Umso erstaunter war und bin ich, dass bislang das übliche „Granger-Bashing“, das
in der Karl-May-Film-Fanszene weit verbreitet ist und teilweise groteske Züge annimmt,
ausgeblieben ist.

In aller Regel heißt es: „ ( Gottvater ) Pierre Brice ist aber nicht mit ihm zurechtgekommen!“
Und damit ist jede Diskussion beendet.

Ich bin daher gespannt, wie es hier weitergeht und hoffe auf einen regen und konstruktiven Austausch.

Herzliche Grüße und „Nicht vergessen! Köpfchen.“

wahinhaya
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Re: Eine Lanze für "Old Surehand"

#6 Beitrag von wahinhaya » 3. Dez 2019, 15:48

Ich finde auch, dass Steward Grabnger seine Sache sehr gut gemacht hat. Es ist ihm gelungen, einen guten Gewenpol zu Lex Barker als Old Shatterhand zu verkörpern. Das Granger ein schwieriger Zeitgenosse am Set war ist ja ein offenes Geheimnis. Außer Eva Ebner ist so gut wie keiner mit ihm klargekommen. Das merkt man den Filmen allerdings nicht an. Es ist gut Rolle und das private des Darstellers zu trennen.

J.L Niebergall
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Re: Eine Lanze für "Old Surehand"

#7 Beitrag von J.L Niebergall » 4. Dez 2019, 18:54

Ich finde die Aussage von Frau Ebner klasse, wo sie inhaltlich sagt "Leute die ihn nicht mochten, haben ihn nicht richtig erfasst". Frau Ebner hatte immer so einen tollen Stil sich auszudrücken.
Für Granger muss es sehr merkwürdig gewesen sein, als er aus dem professionellen Hollywood auf einmal nach Deutschland bzw auch noch ins sozialistische Kroatien kam.
Auch die pathetische Art von Brice und die ganze Darstellung des "Deutschen Western" war sicher völliges Neuland für Granger und auf ihn ein wenig gewohnungsbedürftig, um es mal vorsichtig auszudrücken.

Granger war ja ein echter Star. Brice ein unbekannter Franzose, der nur durch diese eine Rolle zum Star in Deutschland avancierte.
Da trafen schon Welten aufeinander. Ich kann mir auch vorstellen, dass Brice auf seine spezielle Art auch nicht jedermans Sache war.
Brice ist für mich bei Leibe nicht der "Gottvater". Ich mochte ihn als Winnetou in den 60ern sehr, aber in den Auftritten der 80er und bis zu seinem Tod, kam er mir persönlich immer viel zu schwülstig und gekünstelt rüber.
Sein Buch hat mir dann wirklich den Rest gegeben. Ich behalte ihn lieber in seiner Rolle des Winnetou von 1962-68 in Erinnerung. Alles danach hat mir weder als Brice noch als Winnetou gefallen.

Granger soll sich übrigens sehr gut mit Harald Leipnitz verstanden haben. Bilder dokumentieren das ja auch.

pokaimu
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Re: Eine Lanze für "Old Surehand"

#8 Beitrag von pokaimu » 5. Dez 2019, 16:23

Diese Lanze breche ich gerne mit. Allem, was Du erwähnt bzw. angeführt hast, kann ich mich anschließen. Wenn man Grangers "Old-Surehand-Darstellung" bewertet, sollte man auch immer im Auge haben/behalten, dass sich die Drehbücher der Filme, welche noch nie wirklich die Romanvorlage abgebildet haben, im Laufe der Sechziger Jahre immer weiter vom Original entfernt haben. Das trifft insbesondere auf den Streifen "Old Surehand I. Teil" (Den zweiten hat es dann ja nie mehr gegeben!) zu. Granger dürfte die Romanvorlage(n) sicherlich nicht gekannt haben. Und so verwundert es nicht wirklich, dass er sich als bereits seit Jahrzehnten etablierter Filmstar herausgenommen hat, der Figur des Old Surehand eine eigene, nicht selten ironische Note zu geben. Wenn man an die Drehbücher der Filme allgemein denkt, sollte man auch nicht vergessen, welcher Unsinn mit einer der faszinierendsten Gestalten von Karl May, Old Wabble, getrieben wurde. Dass Granger und Leipnitz sich gut verstanden, hat auch Harald Leipnitz immer wieder auf nachfrage bestätigt.

J.L Niebergall
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Re: Eine Lanze für "Old Surehand"

#9 Beitrag von J.L Niebergall » 5. Dez 2019, 18:56

Das eigentliche Debakel der Karl May Filme waren auch nicht einzelne Darsteller, sondern wie oben schon erwähnt die schlechten Drehbücher und Regisseure mit den dazugehörigen Sparmassnahmen und einem "schnell schnell" den nächsten Film. Wenn man es mal kritisch betrachtet ist schon die Verwendung immer gleicher Schauspieler in den Nebenrollen ermüdend.
Was Harald Philipp aus der Winnetou-Figur grmacht hat, ist schlimmer als alle Darstellungen des Surehand und Wabble zusammen.
Das Brice das mitgemacht hat wundert mich immer wieder. Dieses blöde Grinsen (Entschuldigung) und "Lieber Onkel" ist unerträglich in den Philipp-Filmen.
Da rettet Grnager eher noch im Ölprinz den ganzen Film. Und er hat echt ein paar richtig coole Auftritte. "Wer ist das denn? Ob der wohl hinter der Tür gelauscht hat"?

pokaimu
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Re: Eine Lanze für "Old Surehand"

#10 Beitrag von pokaimu » 9. Dez 2019, 12:38

Aus den Filmen kennt man in Bezug auf den gesprochenen (Drehbuch-)Text in der Regel überwiegend nur das Ergebnis der deutschen Synchronisation. Interessant wäre es einmal zu überprüfen, wie das alles in Englisch "rüberkommt". Auf den DVDs gibt es ja Englisch aus auswählbare Zweitsprache. Ich muss zugeben, dass ich das selbst noch gar nicht ausprobiert habe. Ich werde das aber jetzt umgehend tun, um festzustellen, wo es Untersc hiede zwischen den Sprachversionen gibt. In der Regel versucht der Synchronregisseur für Deutsch sich weitestgehend an die anderssprachige Vorlage zu halten. Es kommt aber immer wieder vor, dass er sich wegen eines besonderen Effektes, oftmals um der Komik mehr Raum zu geben, vom Original entfernt und eigene dichterische Freiheit walten lässt, soweit wie es mit dem Haupt-Drehbuch noch zu vereinbaren ist. Wie gesagt, ich werde das jetzt in Kürze testen und mich mit dem Ergebnis erneut melden. Da bin denn mal wirklich gespannt!

prelle02
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Re: Eine Lanze für "Old Surehand"

#11 Beitrag von prelle02 » 9. Dez 2019, 15:32

In "Der Ölprinz" und "Old Surehand" hat sich Granger in der englischen Synchronfassung übrigens selbst synchronisiert.

Karl-Heinz Becker
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Re: Eine Lanze für "Old Surehand"

#12 Beitrag von Karl-Heinz Becker » 10. Dez 2019, 11:54

Bei Dreharbeiten ist es so, dass von den Sprechtexten des Drehbuchs eine "Dialogliste" hergestellt wird, damit in jeder Szene jeder Sprechpart weiß, was er und sein(e) Gegenüber sagen soll(en). Bei Karl May wurde diese Liste dementsprechend in Deutsch, Englisch, Französich, Italienisch und Serbo-Kroatisch ausgestellt. Allerdings ergaben sich während der Filmarbeiten noch Änderungen im Text. Und manche Phrasen mussten sicher übertragen wreden.

mich
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Re: Eine Lanze für "Old Surehand"

#13 Beitrag von mich » 12. Dez 2019, 22:48

Hallo,

ich finde die Darstellung des Old Surehand's durch Stewart Granger durchaus gelungen - um nicht zu sagen perfekt.

Für mich sind Lex Barker und Pierre Brice eher sehr gute Darsteller in Ihrer Rolle, aber weniger gute Schauspieler. Stewart Granger gilt für mich als guter Schauspieler.

Problem ist eben, das sich doch relativ viele (!) Kollegen/-innen über den Grangers Verhalten geärgert haben.

Die Attacke auf Pierre Brice "du bist kein guter Schauspieler" hat für mich insofern einen nicht unwahren Hintergrund. Dennoch ist Pierre Brice als Darsteller unabdingbar für den Erfolg des Filmes. Eine solche Verhaltensweise ist aber sehr unschön. Ebenso hat aber Stewart Granger die Publikumswirkung des Filmes nicht verstanden.

Laut Buch Reiner Boller muss Granger vor allem für Alfred Vohrer aber auch Horst Wendland eine herbe Belastung gewesen sein. Nun ja, auch Pierre Brice wollte ja kein Darsteller sein, sondern Schauspieler, also Dialoge haben. Pierre Brice's Vorstellung von Winnetou kam ja in den späteren Filmen zum Vorschein.

Ebenso wollte der Columbia Filmverleih partout Stewart Granger nicht als Hauptdarsteller für Firehand. Granger galt als "schwierig".

Stewart Granger hatte im übrigen von Horst Wendland die Zusage im nächsten Film "Old Surehand 2. Teil" die Regie machen zu dürfen. Das wäre interessant geworden.

Ich würde ja vermuten, das die Form der Darstellung des Old Surehand im Vorfeld von Drehbuchautor, Regisseur und Horst Wendland vorhergedacht worden ist, also eine Dominanz/beliebige Einflussnahme von Granger nicht angedacht war.

Die K.M. Filme bis einschließlich "Unter Geiern" sind bekanntlich maßgeblich vom Chef-Dramaturgen Hummel (Pseudonym „Piet ter Ulen“) (https://de.wikipedia.org/wiki/Gerhard_F._Hummel) der Constantin Film konzipiert/beeinflusst worden. Dann gab es einen Machtkampf mit Horst Wendtland aufgrund dessen Hummel sich beruflich neu orientiert hat. Horst Wendland war aufgrund des riesen Erfolges wohl in der mächtigeren Position. Nachzulesen in Auszügen bei Reiner Boller.

Die K.M. Filme danach: Game Horst Wendtland.

Nun ja, Horst Wendtland malträtiert sogar Martin Böttcher, hat scheinbar nicht verstanden wie wichtig die Musik für den wirtschaftlichen Erfolg ist. Es scheint auch hier eher um die Machtfrage zu gehen - wer fällt die Entscheidungen: Horst Wendlandt (siehe Buch Reiner Boller).

Viele Grüße
Michael (auf Basis des verfügbaren Materials (Publikationen))

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